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Costa Rica

03.12.2008 - 21.12.2008

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Costa Rica: Parque Nacional Corcovado / Sirena Ranger Station

Mittwoch, 10.12.2008

Als ich am nächsten Morgen bereits um sieben Uhr ein Morgenessen kaufen wollte, da war ich total aufgeschmissen, denn kein einziges Restaurant war so früh offen. Auch das Internetkaffee öffnete erst um neun Uhr. Also ging ich nach einer ersten erfolglosen Suche nochmals zurück ins Hotel und plauderte mit einigen kanadischen Touristen. Später konnte ich dann im Restaurant Carolina das Morgenessen einnehmen und dann sogar noch etwas im Internet surfen, einzig um zu erfahren, dass in der Schweiz Ueli Maurer zum Bundesrat gewählt worden war. Wollte ich das wissen? Ich musste weg aus Puerto Jimenez!

Parque Nacional Corcovado von oben
Parque Nacional Corcovado from above

Auch wenn es mir weh tat, 365 Dollar für einen so kurzen Flug zu bezahlen, ich wollte unbedingt zur Sirena Ranger Station gehen. Also humpelte ich quer durch Puerto Jimenez zum Flugplatz, wo sich auch das Büro von Alfa Romeo Air befindet, gleich beim Friedhof. Erst heute fiel mir auf, dass alle Bewohner mit dem Daumen nach oben gerichtet grüssten, wenn sie mich sahen. Wenn das kein Zeichen ist, vorwärts zu denken und die Sache in die Hand zu nehmen, ganz nach dem Motto der Ticos: "Pura Vida".

Anflug auf Sirena Ranger Station
Final approach to Sirena Ranger Station

Der Flug war ein echtes Erlebnis, denn ich war bereits seit meinem 18. Lebensjahr nicht mehr mit einem Kleinflugzeug unterwegs gewesen. Damals sass ich noch selber auf dem Pilotensitz, jetzt konnte ich den Steuerknüppel aber nicht mehr bedienen. Schliesslich gibt es nur einen einzigen Piloten, der auf dem nur 200m langen Flugfeld der Sirena Ranger Station landen kann. Der Flug führte zuerst über die Osa-Halbinsel bis nach La Leona, danach der Küste entlang zum Ziel. Die Aussicht auf den Regenwald und die Küstenlinie war überwältigend, und die holprige Landung auf der unebenen Graspiste machte das ganze noch toller.

Unterkunft in Sirena
Lodging at Sirena Ranger Station

Sogleich wurde mir durch den Ranger das Zimmer gezeigt, in dem wir zwei Nächte übernachten sollten. Es gibt sogar Duschen hier, deren Wasser zwar nicht geheizt ist, aber trotzdem genügend warm. Danach machte ich es mir auf dem Balkon bequem und begann auf Andreas und Luis zu warten. Dieser Balkon ist wirklich toll: Man muss sich gar nicht bewegen und sieht Affen und Vögel. Tja, die grosse Spinne vor dem Zimmer war vielleicht nicht mein Favorit, aber sie hat micht nicht angegriffen.

Wednesday, 10.12.2008
Pilot beim Durchgehen der Checkliste vor dem Start
Pilot processing the checklist before starting

When I got up at seven in the morning, I wanted to buy something for breakfast. Unfortunately, none of the restaurants or shops in Puerto Jimenez was open at that time. The Internet cafe did not open before nine, eighter. So, after an unsuccessful search for food I returned to the hotel and chatted with some Canadian tourists. Later I went to restaurant Carolina for breakfast, followed by some time at the Internet cafe. There I read that Ueli Maurer had been elected as a minister back home in Switzerland. Did I really want to know that? I had to leave Puerto Jimenez!

Sicher auf dem Flugfeld von Sirena gelandet
Savely landed on the airstrip of Sirena

It hurt a lot to pay 365 dollars for such a short flight, but I wanted so much to go to Sirena Ranger Station. So I was limping all the way through the village of Puerto Jimenez to the airport at the other end where there is the office of Alfa Romea Air, next to the cemetery. While I was going there I realized that everyone was showing me a lifted thumb, meaning good luck, when they saw me. If this was not a sign to think positive and take things as they are, following the motto of the Ticos: "Pura Vida".

Grosse Spinne (ca.10cm)
Big spider (about 10cm)

The flight was a real adventure. I had not been flying in such a small plane since I was 18. That time I was piloting myself, but I would not know how to do it anymore. There actually is only one man who can do the landing on the only 200m long airstrip at Sirena Ranger Station. First we flew across Osa peninsula to La Leona, after that along the coast to the destination. The view of the rainforest and the coast was impressive, the landing on the uneven grassy airstrip was very bumpy what made the flight even better.

The ranger showed me the room where we were to stay for the following two nights just after I had arrived. There even are showers. The water is not heated, but that is no problem as it is quite warm anyway. After I had stuffed my backpack in the room I went to the balcony to wait for Andreas and Luis. The balcony is just great: You do not have to move a bit to see monkeys and birds. Ok, the big spider in front of the room door was not really my favourite, but at least it did not attack.

Erste Entdeckungen im Regenwald

Nach vielleicht zwei Stunden fragte ich einen Führer, der ebenfalls auf dem Balkon herumhing, wo der Weg sei, auf dem man aus La Leona komme. "Da vorne links", sagte er, und zeigte entlang dem Flugfeld. Also ging ich los, wahrscheinlich unter dem skeptischen Blick der anderen Besucher der Sirena Ranger Station. Gut beschriftet fand ich den Camino Naranjo und trat in den Regenwald ein.

Start des Camino Naranjo
Entrance of Camino Naranjo

Wenn man so weit weg von Ortschaften und Strassen in den Regenwald eintritt, so ist es trotzdem nicht ruhig. Man hört aus jeder Richtung Tiere. Vögel singen oder pfeiffen hier nicht nur, sondern machen jede Art von Geräuschen. Überall raschelt es, und man muss nur die Augen offen halten. Ich war kaum fünf Meter im Wald gelaufen, da überquerte ein huhnartiger Vogel den Weg. Ist vielleicht nicht so spannend, aber bereits in diesem Moment wusste ich, dass sich der Flug hierher gelohnt hatte. Dabei hatte ich wahrscheinlich Tränen in den Augen, Tränen des Glücks.

Totenkopfäffchen
Squirrel Monkey

Meine Augen schweiften in jede Richtung, nach zehn weiteren Metern raschelte es: Ein Baum voller Kapuzineraffen. Wie oft hatte ich im Zoo Affen beobachtet und mir gewünscht, sie in ihrer richtigen Umgebung zu sehen. Hier war ich, ganz alleine in einem der artenreichsten Wälder der Welt. Die Tiere hier haben keine allzu grosse Angst vor den Menschen. Die Affen halten zwar Distanz, doch kann man sie beliebig lange beobachten, ohne dass sie sich gestört fühlen. Mein Photoapparat lief jetzt auf Hochtouren.

Termitennest
Termites

Schliesslich konnte ich mich von dieser ersten Affengruppe lösen, ging ein paar Meter weiter und traf bereits auf die nächsten grossen Tiere: Ein Guanpaar. Diese Vögel sind fast einen Meter gross und somit ziemlich eindrücklich, wenn sie plötzlich knapp über dem eigenen Kopf auf einem Ast stehen. Sie sind aber sehr scheu, deshalb brauchte ich einige Geduld, um ein nicht verwackeltes Photo machen zu können.

Ara
Photographieren im Regenwald
Zum Photographieren im Regenwald braucht man ein lichtstarkes Objektiv, denn es ist recht dunkel. Auch ISO 400 ist fast schon eine Pflichtgrösse, wenn man aus der Hand photographieren möchte. Eine Eigenschaft des Belichtungsmessers jeder Kamera hilft aber: Er möchte immer zu lange belichten. Ich habe deshalb für fast alle Bilder bis zu zwei Stufen unterbelichtet, um ein reines Grün zu erhalten. Für Details zu diesem Thema möchte ich die Literatur auf meiner Seite über die Photographie verweisen.
Luis Angulo am Strand in der Nähe von Sirena
Luis Angulo at the beach, not far from Sirena

Es ging nicht mehr lange, da kamen mir Andreas und Luis, unser Führer im Parque Nacional Corcovado, entgegen. Und sie hatten eine ganz besondere Information: Nicht weit von unserem Treffpunkt hatten sie einen Puma gesehen. Ich musste nicht lange betteln, mir den Ort zu zeigen, schon waren wir unterwegs. Nur wenige Leute haben so grosses Glück, denn Pumas verbringen einen grossen Teil ihrer Zeit in den Bäumen, wo man sie kaum entdecken kann. Umso erstaunlicher, dass Luis auf der Wanderung einen anderen Führer gesehen hat, der ihm den Ort beschrieben hat, wo er den Puma finden könne. Man bedenke, dass es überall nicht viel anderes als Bäume hat im Regenwald...

Geöffnete Kokosnuss
Opened coconut

Wir gingen am Strand entlang zurück zur Sirena Ranger Station. Unterwegs sahen wir das erste Tapir, das unter einem Busch direkt am Waldrand schlief. Später öffnete uns Luis noch Kokosnüsse und wir genossen den frischen Saft. Man kann sich in diesem Moment gut vorstellen, ohne Verpflegung in dieser Region unterwegs zu sein, es braucht einfach eine Machete und ein gewisses Geschick in der Anwendung solcher Messer.

Ameisenbär
Giant anteater

First hike in the rainforest

Kapuzineraffe
White-throated Capuchin

After I had been waiting for about two hours I asked a guide who was also hanging around on the balcony where the trail was on which hikers arrive from La Leona. "Just there on the left side" he said and pointed along the airstrip. So I just started walking, maybe under the sceptical view of the other guests at Sirena Ranger Station. The trail is well signed, named Camino Naranjo. I just entered the rainforest.

Guan (Lat.: Penelope Purpurascens)
Crested Guan

Although being so far away from any towns or streets, it is not quiet at all when you enter the rainforest. There are sounds of animals comming from all directions. Birds do not only sing and whistle, but make any kind of strange sounds. Everywhere there is rustling, so you just have to open your eyes and discovery things. I had walked maybe five meters into the forest as a bird the size of a chicken crossed the trail. Maybe not so impressive, but already at that moment I knew that it had been worth it to fly here. Maybe I even had tears in my eyes, tears of happyness.

Der Weg im Regenwald
Trail in the rainforest

I was looking in all directions. After ten meters there was more rustling: A tree full of white-throated capuchins. I had observed monkeys in zoos many times and wished to see them once in their native environment. Here I was, in one of the most species-rich forest of our planet. The animals here are not very fearful of men. The monkeys keep a distance but you can observe them as long as you like, they do not mind. My camera was taking pictures at full speed.

Tapir

After some time I left this first group of monkeys and proceeded some meters just to meet another big animal: A pair of crested guans. Those birds are about one meter tall. So they are quite impressive when they suddenly are just above your head on a branch of a tree. They are very shy so I had to be patient to get a good pictures.

Strand bei der Sirena Ranger Station
Beach at Sirena Ranger Station
Photography in the rainforest
If you want to take pictures in the rainforest you need a fast lens as it is quite dark in the forest. Also your camera should support ISO 400 as you might be using this setting all the time if you want to take pictures out of the hand. But there is also a property of the light meter that helps you: It wants to overexpose. That is why I corrected the exposure up to two steps to underexpose. By that you get a more natural green. If you like to know more about that topic, please refer to my site about photography where I point out some literature.
Puma

Not long after that Andreas and Luis came the other way. Luis was our guide for the trekking at Parque Nacional Corcovado. And they brought a very special information with them: Not far they had seen a puma. I did not have to beg much until we were on they way there. Only very few people have so much luck that they can see pumas. Pumas spend most of their time on trees, so they are very hard to find. Even more amazing: Luis had met another guide on the way who had described him the location of the tree with the puma. I mean, there are quite a few trees in the rainforest...

Genuss einer frischen Kokosnuss
Pleasure of drinking fresh coconut water

We went back to Sirena Ranger Station along the beach. On the way we saw the first tapir that was sleeping in the bush just at the border of the forest. Later Luis opened coconuts and we could enjoy the fresh juice. When doing that you can even imagine to travel in this region carrying no food at all. You just need a machete and have to know how to use it.

Swainson Tucan

Nachtspaziergang

Wenn man in der Sirena Ranger Station übernachtet, so gibt es zwei riesige Vorteile: Erstens geniesst man das exzellente Essen, für das man sich allerdings anmelden muss, und zweitens kann man nach dem Eindunkeln nochmals rausgehen und die nachtaktiven Tiere suchen. Jetzt ist es noch mehr als sonst ein riesiger Vorteil, mit einem Führer zusammen zu reisen, denn ohne würde man wahrscheinlich nicht einmal die Hälfte so viel sehen. Die Führer kennen einfach jedes Tier, hören und kenne deren Stimmen und Geräusche und können sie so sehr schnell finden.

Langzeitaufnahme der Sirena Ranger Station in der Nacht bei Vollmond
Sirena Ranger Station at night with full moon

In dieser Nacht sahen wir erneut ein Tapir, zwei Rehe und eine Schlange, die Luis aus einem Graben herausgeholt hat. Weil es Vollmond war, konnten wir nicht viele Tiere sehen. Das sei normal, denn auch in der Nacht gibt es aktive Raubtiere, die dann mehr sehen. Trotzdem war ich überglücklich, an diesem einen Tag so viel gesehen zu haben, und ging zufrieden ins Bett.

Schlange
Snake

Nightly walk

Nachtessen in der Sirena Ranger Station
Dinner at Sirena Ranger Station

There are at least two reasons to stay at Sirena Ranger Station for the night: First you can eat the great dinner if you ordered it before arriving, second you can go for another walk after sunset. There are many nocturnal animals to be found. In the night it is worth even more to travel with a guide because without you would probably see less than half as many animals. The guides know just any animal, hear and recognize their voices and sounds and by that can find them fast.

Tapir

That night we saw another tapir, two deers and a snake that Luis got out of a ditch. Because it was full moon there were not that many animals to be seen. That is said to be normal because even at night there are predators that can see more with the help of the moon. Nonetheless, I was very happy to have seen so much in just one day and went to bed satisfied.

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