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Rhein-Radweg

19.07.2005 - 23.07.2005

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22.07.2005: Rhein-Radweg - Munchhausen (F) nach Worms (D)

Die heutige Etappe startet vom Zeltplatz von Munchhausen. Der Fahrradweg beginnt gleich vor den Toren des Zeltplatzes. Leider scheint das Wetter nicht mehr so ganz mitzuspielen. Vorerst ist es zwar noch trocken, doch wird es im Verlaufe des Tages sicherlich noch regnen kommen. Also früh los und die Pedalen unter die Füsse klemmen. Bereits nach 12 Kilomtern verlasse ich Frankreich und fahre, eigentlich ohne es zu merken, nach Deutschland. Wahrscheinlich bildet der kleine Bach mitten im Wald die Grenze, aber ein Anzeichen dafür gibt es nicht wirklich.

Die Fahrt geht flüssig weiter, vorbei an Kraftwerken und am auf der anderen Seite des Rheins liegenden Karlsruhe. Einen ersten kurzen Halt lege ich in Germersheim ein, wo man eine alte Festungsanlage besichtigen kann. Ich habe den Halt auch genutzt, um mir beim lokalen Mechaniker einen Ersatzschlauch zu kaufen.

Germersheim

Gefreut habe ich mich aber vor allem auf zwei andere Orte: Das am frühen Nachmittag folgende Speyer und das Tagesziel - Worms. In Speyer hatte ich ein wenig Probleme, den Weg ab der "Kleinen Speyerer Basis" in die Altstadt hinein zu finden. Den Dom konnte ich zwar schon von weitem sehen, doch hat mir die L722 irgendwie den Zugang verwehrt. Schliesslich hatte ich aber, der Grobrichtung folgend, durch enge Gassen die Maximilianstrasse gefunden. Diese führt direkt auf den Dom zu Speyer zu. Sämtliche Häuser entlang dieser Strasse sind historisch, kurz vor dem Dom hat es auch noch ein schönes Stadttor.

Wie man sich vorstellen kann, ist ein so schöner Ort weitherum bekannt und in der Ferienzeit fahren viele Touristenbusse hierher. Es hatte wirklich viele Leute rund um den Dom herum und auch entlang der Maximilianstrasse, doch konnte ich mir im Domgarten eine Bank ergattern, auf der ich mein Sandwich geniessen konnte. Schliesslich musste ich mich stärken für die restliche Etappe bis nach Worms.

Die folgenden Stunden wurden zu einer ziemlichen Tortur. Bald näherte ich mich der einzigen Grossstadt entlang der Strecke: Ludwigshafen. Bis Rheingönheim ist der Weg noch ein einziger Genuss, danach ist es aber von einer Sekunde auf die andere damit vorbei. Markierungen für Fahrradwege gibt es keine, weil Fahrräder schlicht nicht willkommen sind. Es herrscht das deutsche Autofahren. Die Strassen sind mehrspurig, Einbahnen verhindern ein direktes Vorwärtskommen und es stinkt überall. Irgendwie habe ich es schliesslich geschafft, den Weg zum Bahnhof zu finden. Von dort folgt man dann einfach entlang der L523. Kein wirklicher Spass!

Was mich auf dieser Strecke wirklich erstaunt hat, ist BASF. Hatte ich doch bereits am zweiten Tag in Basel die heimische Grossindustrie durchquert, so war ich doch von den immensen Ausmassen des hiesigen Konzerns überwältigt. Ich weiss nicht mehr, wie lange es gedauert hat, bis ich keine Gebäude mit diesem Firmennamen mehr auf der rechten Seite sah, aber es waren viele Kilometer.

Neben der Durchquerung von Ludwigshafen gab es aber noch zwei weitere Gründe, weshalb die Strecke zur Tortur wurde: In der Region von BASF hat es zu regnen begonnen (Motivation auf der Höhe der Pedale) und dann schmerzten auch meine Knie immer mehr. Ich hatte sie bereits an den vorangehenden Tagen gegen Abend jeweils ein wenig gespürt, aber heute wurde es wirklich schlimm. Entsprechend konnte ich den Weg bis nach Worms nicht mehr wirklch geniessen und war ganz froh, dass ich im Naturfreundehaus gleich bei der Nibellungen-Brücke sofort einen Platz fand. Ich kriegte sogar ein ganzes Zimmer für mich alleine, denn wir waren insgesamt nur zwei Fahrradfahrer, die dort übernachten wollten.

Nachdem es aufgehört hatte zu regnen, sass ich nochmals kurz auf das Fahrrad, um in der Stadt etwas essen zu gehen. Dabei machte ich aber den "Fehler", mir vor dem Nachtessen in einem Strassencafé noch ein Eis zu gönnen. Leider weiss ich nicht mehr, wie es hiess, aber auf deren Dessertkarte hatte es mehrere hundert verschiedene Variationen von Coupes. Wer es nicht glaubt, der soll dahin gehen, das Lokal suchen und mir dann den Namen mailen. Auf jeden Fall hatte ich nach dem Eis überhaupt keinen Hunger mehr und ging nach einer kurzen Besichtigung der schönen Altstadt zurück zum Nachtquartier.

Leider nützte aber auch der gute Schlaf nichts gegen meine Knieschmerzen. Ich hatte mich mit meinen Etappen einfach übernommen. Jeden Tag 115km ist einfach zuviel, wenn man noch das ganze Gepäck transportieren muss. Es gab also nur noch eine Möglichkeit: Morgen nach Mainz fahren und dort die Fahrt abbrechen. Das tat mir auch im Kopf weh, denn das Ziel war ja, von zuhause ans Meer zu fahren.

 

Etappendaten

Fahrstrecke136.78km
Fahrzeit6:57:56
Durchschnittsgeschwindigkeit19.92km/h
Maximalgeschwindigkeit38.5km/h

 

Tourendaten

Fahrstrecke498.21km
Fahrzeit25:10:13

 

Kartenmaterial

Radtourenbuch Rhein-Radweg 2 Rhein-Radweg
Teil 2: Basel - Mainz
Massstab 1:75'000
Verlag Esterbauer

Kurz vor der deutsch-französischen Grenze direkt am Rhein
Tor in Speyer
Altstadt von Speyer
Museum in Speyer
Nibellungen-Brücke über den Rhein in Worms
Reformations-Denkmal in Worms
Dom von Worms
Stadtmauer in Worms
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